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Glossarium - systematisch geordnete Themen- / Wort-Liste zur Kunst und Geschichte der Edo-Kultur im Reich Benin.


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Oghakee - Religiosität

Einführung : Religiosität
Einträge : A - E
Einträge : I - M
Einträge : O - Z

4.1 Das Kunstschaffen in der Geschichte von Benin nimmt in vielerlei Form direkten Bezug zu den Zeremonien und Riten am Hof des Oba (Ritus ~ volkstümlicher Brauch oder feierliche religiöse Zeremonie).

Als Zeremoniell können daher ihrem Wesen nach alle Feste und Tänze, Opfer, öffentlichen und im Palast stattfindenden Feiern bezeichnet werden, in denen sich die Herrschenden als sakrale und politische Autoritäten inszenierten.

4.2 Die Gegenstände, Anlässe, Motive und Vorgehensweisen des Sakralen lassen sich im Wesentlichen aus der ethnologischen Forschung bis in das 18. Jahrhundert rekonstruieren, während ältere Bezüge zu den zeitlich nachfolgenden Merkmalen des Zeremoniells nicht eindeutig nachgewiesen werden können.

4.3 Oghakee: agbon (´Diesseits´), mit den Sinnen erfahrbare aye (Welt des Menschen, die Erde und alles darauf befindliche, das Universum); erivi (Jenseits) - der ehi (Geist des Menschen) ist zu gutem, den Göttern gefälligem Verhalten - nach oghakee (göttlicher Willen) - angehalten, um sich ekose (negativer Einfluss) und iro da (negative Gedanken) zu erwehren; der Mensch nimmt das ihm gegebene (vorherbestimmte) Leben an, rhi-egbe ri-oto (gehorchen).

4.4 Einträge ...

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Einträge : A - E

Ada: meist als Zeremonienschwert erwähnt; wörtlich: ´Heiliges Schwert´; Szepter; Symbol für die Macht des Oba, wichtiger Chiefs; vgl. Ebe *, Emuada *; anders bspw. Umozo: einfacheres, militärisches Schwert.

Agba: Musikinstrument; königliche Trommeln, vgl.: Ema *, Ida *, Ogbelaka *, Ube (von Frauen gespielt), Emighan, Emizaduma ...

Ague: Agwe; öffentliches, sieben Tage andauerndes Ritual zur Zeit der Yams * -Ernte; zu dieser Zeit wird als symbolisches Schmuckstück das uma n-ague * getragen.

Ahiave: Ahiave n-ukioya, Ahiave nutioya) Vogel, dessen Schrei ("oya o") für den Hörenden prophetische Bedeutung haben könne, da das Tier mit Kraft aus dem Jenseits ausgestattet sei; Kunst: Reliefplatten, manchmal "Wahrsagevogel" genannt.

Akhase: Wahrsager, Prophet.

Akodo-Edo: Ritualgemeinschaft im Norden des Reiches Benin; regionale Kunst.

Akohe: Ak-Ohe; Akohen; großes, verziertes, aus Elfenbein (Akon-Eni) * gefertigtes Blasinstrument, "Trompete"; bei Palastfesten und zu Signalzwecken bei Erscheinen des Oba gespielt; aka (Trompete).

Akoribie: Akobie; Ton- bzw. Lehm-Figur; Formen früher Kunst vor dem Einsatz von Metall, in ländlichen Räumen fortgeführt.

Akpata: Musikinstrument; gespielt wie eine Harfe (Ewuare zugeschrieben).

Amaze: Figur auf einem Schrein, aus Holz oder Lehm.

Amufi: Zeremonie und deren Ausführende, die tanzend und artistisch (spielerisch vorführend) Ogu * huldigen (vgl. Isiokuo *).

Aru-Erha: Aro-e, Ukpo, akpekpe; Altar, zur Verehrung von Gottheiten oder Ahnen *; oft als Schrein, auch im Sinne: Behälter oder Schrank; im Besonderen zu Ehren der erinmwin * (Vorfahren) als aro-erinmwin.

Ase: Kraft von Ivi *, Messing / Bronze (Eronmwo *) und anderen Materialien, die durch Gebete und Beschwörungen entfaltet werden und die erbetenen Ergebnisse herbeizuführen helfen sollen.

Ason: Nacht; Dunkelheit. vgl. Avan: Tag; Bewusstsein. vgl. Ason * [keines der bekannten Kunstobjekte ist bislang als eine Szene zur Nachtzeit ausgedeutet worden?!].

Ebakhue: rote Federn aus dem Gefieder des Okhue; rituell getragen.

Ebe: eben; Zeremonienschwert; wörtlich: ´Heiliges Schwert´; Szepter; Symbol für die Macht des Oba; zu rituellen Anlässen genutztes Zeremonialschwert, das bei Anwesenheit des Oba stets gesenkt, mit dem getanzt (gbe-eben) wird; im Verhältnis zu ada differente Bedeutung; ähnliche Objekte in Westafrika verbreitet; anders als umozo (Gebrauchsschwert).

Ebo n´Edo: Gruppe königlicher Gottheiten; eigener Altar im Palast; Aufgabe: Sorge für das Wohlergehen des ganzen Volkes.

Ehi: spirituelles Gegenstück jedes Menschen in der unsichtbaren Welt; Egbe * gegenübergestellt; Teil der Verehrung.

Ehi´Oba: spirituelles Gegenstück des Oba in der unsichtbaren Welt.

Ehovia: Staatskult zu Ehren der Gottheit Ovia *.

Ekassa: Tanz bei der Beerdigung der Königinmutter; ursprünglich: Tanz der besiegten Igala * in der Schlacht von Oregbeni, um die Königinmutter, Idia *, zu besänftigen.

Ekpen egbe eveva: mit Ivi * besetztes Stirnband; nur von den höchsten Würdenträgern getragen.

Ema: emaba; Musikinstrument aus einer Kalabasse; "Trommel", vgl.: Agba *, Ida *, Ogbelaka *; gespielt von den Igbemaba zu Ehren des Oba.

Emeru: Mitglieder einer Palastorganisation, die am Altar Ebo n'Edo dienten; bei öffentlichen Riten * trugen sie heilige Gefäße mit schützender Medizin.

Emila: Rind, für männliche und weibliche Tiere verwendet; ausschließlich weibliche Form (Kuh): onwi; Opfertier, Blut nachgewiesen.

Emobo: Zeremonielle Feier * in Benin zum Schutz vor Unheil.

Enikaro: Vorfahren; Ahnen *.

Erinbhin: Erimwin, Erivi, Erivin; Tod, Platz und Lebenswelt der Toten, "Jenseits"; Welt der Ahnen, Helden und Geister; Vorfahren; werden in bestimmten Feiern angerufen und um Beistand gebeten; Ahnen gelten im Besonderen als Vermittler zu den Geistern des Jenseits und dem Pantheon der Gottheiten; Ethnol.: Manismus; im Jenseits gefürchtet werden ugbogiorinmwin, isusu, okpaniginko, esu (Dämon, Monster, "Teufel").

Ewaise: ~ Gilde der königlichen Kräuterkundigen.

Ewua: Mitglieder einer Palastorganisation, die das Kreuz von Osanobua * tragen und das Ritual * des Weckens beim Oba durchführen; von Oba Esigie * gegründet; Beispiel für diverse Bedienstete im Palast und deren auf den Herrschenden direkt bezogenen Aufgaben.

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Einträge : I - M

Ida: idan; Trommel; bei bedeutenden Feiern gespielt; den Oba verehrend; vgl.: Agba *, Ema, Emaba *, Ogbelaka *, Ube, etc. enwini, em-igha, iy-ema,

Ifa: Ritus, mit dem Gott Oronmila * der Yoruba in Verbindung gebracht.

Igiagia: eine Freuden- oder Verehrungs-Feier singend (so, s-ihua), tanzend (ughe, iku), klatschend (kp-obo) und ggf. maskiert begehen; ovbi-erimwi, ekpo (maskierter Tänzer).

Igue: Staatskult zu Ehren des Kopfes * des Oba.

Ihen: Schutzgottheiten in Dörfern; zeitweise (vor allem unter Oba Ewuare *) große Krieger und Pflanzenkenner; nach traditionellem Glauben: verwandeln sich diese bei ihrem Tod in Flüsse und andere natürliche Phänomene in der Nähe dieser Dörfer (direkte göttliche Immanation, panentheistische Vorstellung).

Ihiekhu: Staatskult, Zurschaustellung u. Vorführung gesammelten Reichtums.

Ikega: Hand; Sitz der Kraft, Dinge zu erreichen; gleichzeitig Kult und Kultobjekt auf Schrein: vom Oba, den Kriegern und höhergestellten Persönlichkeiten ausgeführt, um Stärke und Macht zu erhalten.

Ikegobo: Ikengobo, Ikega-Obo, Ikenga; aus Holz - seltener aus Bronze (Eronmwo) oder Lehm - geformte Rund-Skulptur, der Hand (Ikega) gewidmet, mit Darstellungen von Händen und nach oben gerichteten Daumen; mit ese n-azo (Opfergaben), dem Werkzeug des Besitzers (z. B. wenn dieser Handwerker war), sowie mit Kauri *, Ivi * und weiteren Zeichen von Reichtum verziert.

Ise: Schlussformel beim Gebet, mit der Bedeutung: so soll es sein; dem christlichen "Amen" ähnlich, Ursprünge eventuell christlich [vgl. christliches Bekenntnis Egharevba´s].

Isiokuo: jährliche Zeremonie zu Ehren des Gottes Ogun *.

Iso: Himmel (Oto *)

Ivi: Korallen, Meerestier, zu den Hohltieren gehörend; in Form von Ketten oder Kronen als Schmuck verwendet; in Zeremonien durch den Oba genutzt (Ivi-Oba); als Träger mystischer Kräfte in der Hand (Ikega) des Herrschers verehrt.

Ikharo: ixaro; traditionelle Schmucknarben, vor allem im Gesicht, aber auch an anderen Körperstellen (dann als Iwu bezeichnet; damit austauschbar) ausgeführt.

Mamy Wata: [wohl] moderner Ritus / Schrein zur Verehrung weiblicher Heldengottheit, die auf eine Abbildung aus dem 19. Jh. zurückzuführen ist.

Menschen-Opfer: Rituelle Tötung von Menschen; zumeist im Zusammenhang mit Feierlichkeiten; oftmals religiös begründet; in Benin bis zum Ende des 19. Jhdt.´s zur Verehrung des Oba durchgeführt [Vorwand/Anlass zahlreicher Exaltationen in europäischen Schriftquellen].

Mission: Verbreitung eines religiösen Glaubens; zumeist folgenlos führten katholische Priester einige Missionsreisen nach Benin durch, Sacra Congregatio de Propaganda Fide (1622 von der katholischen Kirche gegründete Organisation zur weltweiten Koordinierung der Missionstätigkeit mit Sitz im Vatikan); manchmal christliche Zuweisung der Kreuze in der Benin-Kunst, vgl. Uma n-ague, in Schriftquellen.

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Einträge : O - Z

Obienwen: Gott der Fruchtbarkeit.

Obiro: Orakel, Wahrsager.

Obo: Pl.: Ebo; Heiler; versorgt einen - an Körper und Seele -
kranken Menschen unter Zuhilfenahme von pflanzlicher
und magischer Medizin und durch den Versuch, das
soziale Umfeld zu ´heilen´; oftmals synonym verwendet
zu Zauberer; Kunst, z. B. Osun Ematon *.

Ododua: Oduduwa, Ode´Uduwa; eine Gottheit oder ein Held der Yoruba; erster Herrscher von Ile Ife *, Herrscher von Uhe und Vater der mythischen Gründer der Dynastien von Benin, Oyo *, Owo und anderen Yoruba * -Reichen; verw. Bezeichnung jährlicher Feierlichkeiten, welche nach mündlicher Tradition von
Oba Eresoyen * begründet wurden.

Ogbelaka: ~ Gilde * mit mehreren Tätigkeitsbereichen, vor allem mit der Ausgestaltung von Feiern im Palast betraut; unter ihnen etwa die Trommler.

Ofoe: Schrecken einflössender Bote des Todesgottes Ogiuwu *;
als Kopf mit Armen und Beinen dargestellt.

Ogho: männliches Schaf, Opfertier; verehrt; Kunst: uhunmwun-ogho, Widderkopf.

Ohue: Jäger, Jäger - "~ Gilde" *: u. a. Bogenschützen, dem Oba und ihrer Gottheit, Ake, verpflichtet.

Ogiuwu: Ogiwo; König bzw. Gottheit; mystifiziert als Herr des Todes und des Donners, der im Zorn Steinbrocken und Donnersteine vom Himmel wirft, welche als Teil der Altar-Kunstwerke verwehrt wurden.

Ogun: Gott der Schmiede und Krieger.

Ogwedion: Älteste und verehrte Tote einer Gemeinschaft (z. B. der organisierten Sozialgruppe eines Dorfes).

Ohensa: Ohen-Osa; Priester des Schöpfergottes Osanobua *.

Okhokho: Huhn; Iye-O. für das ausgewachsene Tier; Opfertier.

Olokun: ältester Sohn des Schöpfergottes und Herrscher über Amolokun, n´Oku, Okun (Atlantik, Meer; der Gottheit gehörendes Wasser), Gott der Fruchtbarkeit und der körperlich/geistigen Unversehrtheit; mit der Ikpin * - Darstellung in Verbindung gebracht; durch die weiße Farbe von Kalk oder Kauri * angerufen / verehrt und symbolisiert.

Olorun: Gottheit der Yoruba *; im Ursprungsmythos ähnlich dem der Edo, dessen Sohn Oduduwa * aus einer Handvoll Erde das bekannte Land schuf.

Oghenne: Oghene n´Uhe; Oni von Ife; direkter Nachkomme von Oduduwa *; Titel des geistlichen Herrschers von Ife *; Alafin *.

Oguedion: Schrein der Vorfahren; Ort der Verehrung und des Erbittens der Sicherung des Wohlstandes und einer positiven Zukunft.

Orhue: Kreide, die in ritueller Verehrung ihres Weiß wegen bedeutsam ist; Symbol für Glück, Glückseligkeit: auf den Körper aufgetragen, an Schreinen verehrt [vgl. Gallwey].

Oronmila: Oromila; Gottheit der Yoruba *; angebl. unter Ehasogie, der Mutter von Oba Akenzua I. *, in Benin eingeführt.

Osa: auch: Osanobua, Osalubua, Oisa, Erhauoa, Ogodua, Oghodua, Ododua, Udazi, Itebite; Name des obersten, jenseitigen Himmelsgottes; osa n´udazi (Erschaffer des Lebens); oghen osa (Ewiger).

Osoga: Ungeheuer, das vom Himmel kam und symbolisch mit der Amufi *- Zeremonie besiegt wurde.

Osuan: Priester; Osa *.

Osun: geheimnisvolle Kraft in Pflanzen und Kräutern im Wald, von Kräuterkennern, Kriegern und anderen Mächtigen zu ihrem
Schutz und zur Heilung aufbereitet.

Osun Ematon: Medizinstab; Instrument der Heilung, Zeichen der Heilerwürde.

Ovia: Gottheit, die sich in der sichtbaren Welt als Fluss darstellte.

Uduwa: traditioneller Ort des Schreins für die oberste Gottheit Oghene.

Ugie: allgemein: jährliche Zeremonie der Ikpokpa - Teilnehmer und Mitwirkende der Feiern; zentrale Feste zu Ehren des Lebens: ugie edagbon, zu Ehren der Hand: ugie oghogho okhuaen (Eken: Hand), zu Ehren des Kopfes: ugie arulogbei (Uhunmwu *); besondere U. sind Neuer-Yams-Fest: ugi-eho / ugie agwe, Verehrung der Kinder des Oba: ugie azama, Verehrung der Vorfahren: ugie enikaro, Verehrung der Gottheiten: ugie ebo, Vergabe von Titeln: ugie-ovi ozuore; weiterhin gefeiert werden auch Ugie-Erha-Oba, jährliches Fest zu Ehren der königlichen Ahnen oder genauer zu Ehren des Vaters des amtierenden Oba, dabei früher Tier- und Menschenopfer *; außerdem Ugie-odudua: jährliches Maskenfest, mit dem an verschiedene Gottheiten und die besondere Würde / Macht des Oba erinnert wird (u. a.).

Ugiegun: sog. Reichskult zu Ehren der verstorbenen Oba.

Uhe: Ile Ife, Ife, Iguadimu, Owa-Uhe; heilige Stadt, kosmischer Mittelpunkt der Welt und Hauptstadt des Yoruba * - Königreiches; in manchen mündlichen Überlieferungen auch als Ursprung Benins bezeichnet; Ursprung der Linie der Oni und des Alafin.

Ukhurhe: Rasselstab aus Holz oder Bronze (Eronmwo); zum Gebrauch bei religiösen Feiern. Ukhurhe ovbi-odo: Rasselstab, Herrschaftssymbol; auf Oba Ewuakpe zurückgeführt; anders bspw. Ukuse (Rassel, von Frauen gespielt).

Uma n-ague: Schmuck, Symbol, Abzeichen; Form eines Kreuzes; von Chiefs an Korallenkette aus Anlass des Yams-Festes getragen; davon verschieden ugbugbe (Kreuz in christlicher Tradition).

Uwen: [und Ora:] Gottheiten, die der Überlieferung nach mit Oranmiyan * nach Benin gekommen sind; in Verbindung zu angsteinflößenden kosmischen Phänomenen (z.B. Wetterleuchten, Blitz) mystifiziert.


© Thorsten Spahr [Kompilation, Kommentare ... ] //
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