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Glossarium - systematisch geordnete Themen- / Wort-Liste zur Kunst und Geschichte der Edo-Kultur im Reich Benin.


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Okha Edo - Geschichte

Einführung : Geschichte
Einträge : A - E
Einträge : F - M
Einträge : N - Z

1.1 Das Leben der Generationen von Menschen, welche die soziale Gemeinschaft, das politische System, die wirtschaftliche Basis und den künstlerischen Reichtum der Edo hervorbrachten und entwickelten, ist zentraler Inhalt der Geschichte von Benin.

Vor allem die Namen der Herrschenden, Teile ihrer Entscheidungen und deren Bedeutung für die Gesamtheit der Menschen sind uns bekannt. Demgegenüber lässt sich die Lebenswirklichkeit der überwältigenden Mehrheit nur schwer beleuchten. Dies ist auch durch die Quellenlage und ihre Betrachtung bedingt.

1.2 Zur Geschichte Benins liegen drei wichtige Quellengruppen vor: erstens die Orale Tradition [präziser: die Traditionale Historigoraphie, die erstmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Lokalhistoriographen und Ethnologen schriftlich fixiert wurde]; zweitens Schriftquellen der europäischen Händler, Missionare und Reisenden aus der Zeit seit dem 15. Jahrhundert; drittens die Künste, vor allem reich ornamentierte Stosszähne, Reliefplatten und Freiplastiken, die seit Beginn der Geschichte Benins erstellt wurden [Einzelquellen ca. seit der Zeit des 15. Jh. erhalten].

1.3 Geschichte (Benins) qua Oraltradition; quasi-literale Historiographie; in Benin bis in das ausgehende 19. Jh. - neben dem Kunstschaffen als para-narrative Weitergabe - die wichtigste Form der Tradierung von Geschichte(n); Geschichtenerzählung mit dem Ziel der Kultivierung und Normierung des Lebens über Generationen im Wandel = uyeue, ayere (Erinnerung); Begründung der königlichen Chronisten nach traditioneller Überlieferung um 925; für "moderne Belange" ins Schriftliche transformiert = ivbe, ita (Allegorie).

1.4 Einträge ...

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Einträge : A - E

Akpokor: Pfeffer; von einer Nutzpflanze gewonnenes scharfes Gewürz; bedeutende Handelsware in Benin; verkauft wurde nur der Rote Pfeffer, während der Schwarze Pfeffer als Teil eines Herrscherrituals unverkäuflich blieb.

Alafin: Titel des weltlichen Herrscher von Oyo; vgl. Oni:.

Amoko: Sänfte; von Würdenträgern zur liegenden Fortbewegung genutzt.

Apa: westlich von Awori gelegener Umschlagplatz von Metallen nach und Elfenbein aus Benin, vor allem im 18. Jh. bedeutsam.

Arbo: Arbon, Arebo, Oribo; Hafen am Fluss Benin, von den Holländern 1644 als alternativer Stapelplatz zu Ughoton aufgebaut; Umschlagplatz von Metallen nach und Elfenbein aus Benin, vor allem im 17. Jh. bedeutend.

Arre: Are, umaramwa; "Mythos", "Geschichtstradition"; Vorstellungen über die Entstehung und Entwicklung der Welt, verehrte Götter oder gefürchtete Dämonen sowie den Verlauf der eigenen Geschichte seit frühester Zeit; begrifflich oft gleichbedeutend mit Legende verwendet; oft normative und identitätsstiftende, älteste und dabei schwer zugängliche Geschichtsschreibung.

Awori: Lagos; bedeutender Handelsplatz.

Avbiogbe: Gesandter; Überbringer von Nachrichten oder Gegenständen.

Benin: auch: Igodomigodo *, Ile-Ibinu, Ubini, Aiye, Beny, Benein, Oedo, ...; in den meisten europ. Schriftquellen, nach traditioneller Überlieferung und ethnologischer Forschung Name des Reiches am Ohinmwin (Niger) mit einem Oba als Herrscher; heute: als Edo-State Teil Nigerias; unter dem geographischen Namen firmieren: Edo/Bini, ab-/angrenzend, manchmal vermischt ausgedeutet / umfassend (Edoit): Ibo, Idjo, Ineme, Ishan, Isoko, Itsekiri, Ivbiosakon, Urhobo, Yoruba u. a. bis Oyo/Ile-Ife.

Bini: Edo; Omwa n-Edo, Ovb-Edo; Name der Bevölkerung des Reichs von Benin nach vielen europäischen Quellen; wie Edo benutzt, zuweilen im Sinne "dörflich lebende Edo" [nicht notwendig!]

Calabar: Hafenstadt am Meer, im Nigerdelta; hierhin wurde Oba Ovonramwen nach dessen Absetzung durch England ins Exil geschickt.

Edo: moderner, eigener Name des Volkes (ovbi-edo, zur Gemeinschaft der Edo gehörender), der Sprache und der Hauptstadt in Benin; vgl. Igodomigodo, Benin, Bini .

Egbe: Körperlichkeit, sinnlich wahrnehmbar [physisch in der Geschichte stehend]; vgl. Ehi.

Eko: Awori; Lagos: Stadt an der Südküste Nigerias. Früher ein kleines Yoruba-Reich, zeitweilig dem Königreich Benin tributpflichtig, später Hauptstadt der brit. Kolonie Nigeria; heutige Wirtschaftsmetropole.

Esie: Fundort von Steinskulpturen im nördlichen Yoruba-Gebiet.

Evbo: Dorf; Gebiet außerhalb von Benin-Stadt: Ubini Nigue.

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Einträge : F - M

Fulani: Volk im Norden Nigerias.

Harmattan: Trockenzeit in Westafrika, mit heftigen Stürmen.

Harcourt: Hafenstadt am Meer, im Nigerdelta.

Haussa: Volk im Norden Nigerias.

Ibadan: heute Großstadt nordöstlich von Awori, im 19. Jh. gegründet.

Igbo: Volk im Südosten Nigerias.

Igbo-Ukwu: Fundstätte im Awka-Gebiet, östlich des Ohinmwin (Niger); Eronmwo: Schlangen, Kopfskulpturen mit Tätowierungen.

Iha / Iha Ominigbon: Lehrgedicht aus 256 Versen zur Anrufung der Gottheiten, Verklärung der Herrscher und Unterweisung der Menschen.

Ijebu Ode: alte Yoruba-Stadt, im Südwesten Nigerias gelegen.

Ikpigho: Kauri, Cowry u. div. and. Schreibweisen; Muschelart, als Währung genutzt, Zeichen des wirtschaftlichen und persönlichen Wohlergehens.

Itsekiri: Sozialgemeinschaft und Herrschaftsgebiet am ohinmwin (Niger), Herrschaft der Olu; vgl. Warri.

Iyan: Yams, Jams, Inja; Kulturpflanze; Wurzel dient als Nahrungsmittel; möglicherweise dem senegalesischen Wort nyami (essen/Essen) entlehnt; kennzeichnet jahreszeitlichen Fruchtwechsel, verehrt (hua - Y. als ihana, ihua (Opfer) den Göttern dargebracht)

Jebba: Fundort früher Eronmwo, mittlerer Ohinmwin (Niger),
Gebiet der Nupe.

Kaduna: Handelszentrum im Norden Nigerias.

Kanu: von den Itsekiri und anderen Delta-Völkern benutzte Flusskanus, mit bewaffneten Kriegern; bei Überraschungsangriffen auf die Küstenstädte gefürchtet.

Manilla: Manilha; Pl.: Manillen; Bronze- oder Kupfer-Stangen in C-Form, von den Portugiesen und anderen Europäern seit dem 15. Jh. im Handel mit Benin als Währung ("Geld-Ring") eingesetzt; im 18. Jh. durch Neptunes (Bronze- oder Kupfer-Teller) ersetzt; im 19. Jh. vom Maria-Theresia-Thaler abgelöst (Währung in Westafrika; ursprünglich zum Tode der österreichischen Kaiserin Maria Theresia (1780) geprägt und bis 1854 in Österreich im Umlauf; auch: Maria-Theresia-Dollar).

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Einträge : N - Z

Nok: Fundort am Rand des Jos-Plateau: relativ zu Benin ältere
Terrakotta-Köpfe, Keramik, Beile aus Eisen und Stein; Verbindungen (Vorläufer) zu Benin in einzelnen Dependenzen aufgezeigt.

Itakpa: Nupe; Stadt und Zentrum eines Reiches in Westafrika,
im Norden des heutigen Staates Nigeria.

Odomuomu: transatlantischer Sklavenhandel; dieser unterschied sich begrifflich, inhaltlich und qualitativ von der Praxis der Sklaverei innerhalb der westafrikanischen Region erheblich; vgl. Darstellung von Sklaven, Unterworfenen, zu Opfernden.

Oghoren: Königliche Rezitatoren zur mündlichen Überlieferung von Normen.

Ogigiyankian: "Weiße"; meist verwendet für Portugiesen (auch ebo, eghoen, ikpotokin); speziell ekhen (Händler), demgegenüber ovane xwi, omwan nekhui ("Schwarze", afrikanischer Herkunft); in Kleidung, Haartracht etc. zu unterscheiden; ovbieghoen (Fremder, Nicht-Einheimischer).

Onitsha: bedeutende Stadt, östlich des Ohinmwin (Niger).

Okphagha: Evi, Ofigbo; Palmöl, aus der Ölpalme gewonnen; lokal als Speiseöl genutzt, seit dem 19. Jh. in Europa zu Schmieröl und Seifen verarbeitet, daher ein wichtiges Exportgut Westafrikas.

Owo: östliches Reich der Yoruba; zeitweise Benin tributpflichtig; eine der wichtigen Liefergebiete für Akon-Eni im 18. Jh.

Oxa: Geschichte, mündliche Überlieferung; trad. Form der Weitergabe von Legenden und Mythen, historisierende Darstellungen und Weisheiten; Ausdeutung von Vorkommnissen durch den o-ze-edu (Interpret); beachtenswert ist der Zusammenhang von Sprechen, Erzählen (ta) und etwas - z. B. an einer Wand - aufhängen (ta-e y-egb-eke); Evidenz kommt dem Vorgeführten aus jew. Bezug zu iha (Orakel) und dessen ria (Auslegung) etc. zu.

Oyo: alte Hauptstadt des größten Yoruba-Reiches, das nach dieser Stadt benannt worden ist; von einem Alafin regiert; Höhepunkt der Macht im 18. Jh. - Anfang des 19. Jh. zerstört.

Pagnes: Stofflänge; häufig als Tauschmittel verwandt; von Portugiesen wie anderen Europäern in Benin als Währung benutzt.

Styx: die See als Quelle der Ivi, ´Überbringer´ von Eronmwo und anderem weltlichen Reichtum.

Tada: Fundort früher Eronmwo, mittlerer Ohinmwin (Niger), Gebiet der Nupe.

Tsoede: Fundort früher Eronmwo im Gebiet von Jebba-Tada am Ohinmwin (Niger), etwa 200 km nördlich von Owo.

Udo: Stadt, etwa 40 km westlich von Benin am Fluss Ossa (Ovia); eigene Gruppe von Kopfskulpturen; im ausgehenden 19. Jh. jedoch keine Tradition der Kunstherstellung mehr vorhanden; europäische Quelle des 18. Jh. setzt Udo und Benin-Stadt gleich (fraglich: "identisch").

Ughoton: Gwato; Hafenstadt am Fluß Ossa (Ovia), südwestlich von Benin-Stadt, Teil des Edo-Kerngebietes; Stützpunkt div. europäischer Händler seit dem 15. Jh..

Warri: Hafenstadt am Meer, im Südosten Nigerias; zeitweise unter Benins Einfluss; Errichtung eines politischen Systems nach Benins Vorbild, mit einem "Oba" an der Spitze; im Gebiet der Itsekiri.

Yoruba: Olukumi; Land der Yoruba, Volk im Südwesten Nigerias; wichtige städtische Zentren in der Geschichte: Ile-Ife, Oyo; Verehrung von Orisha, Deitäten einzelner Sozialgemeinschaften, der Gottheit Shango; Totenkulte: berühmte Masken (Egungun).


© Thorsten Spahr [Kompilation, Kommentare ... ] //
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