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Glossarium - systematisch geordnete Themen- / Wort-Liste zur Kunst und Geschichte der Edo-Kultur im Reich Benin.


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Sa-ey-ama - Kunst

Einführung : Kunst
Einträge : A - C
Einträge : E - I
Einträge : O - Z

2.1 Ebenso vielfältig und reizvoll wie das reiche Kunstschaffen der Edo mit Materialien wie Holz und Terrakotta, Elfenbein und Knochen, Bronze und Messing ist die Befragung und Ausdeutung des Begriffes Kunst selbst.

Alle für dieses Thema relevanten Wissenschaftsdisziplinen kennen eigene Definitionen dessen, was überhaupt als Kunst verstanden werden soll, wie diese zu untersuchen sei und welche Antworten durch die Fragen bedingt hervorgebracht werden können. Der in 2.3 erörterte Edo-Begriff verweist auf eine Deutungskomplexität, die bisweilen nicht hinreichend in wissenschaftlichen Übertragungen bedacht zu sein scheint.

2.2 Der Wissenschaftsdiskurs wie der allgemeine Sprachgebrauch sollen vor dem Hintergrund von Kunstschaffen, Kunstbedeutung und -verwendung sowie Wandel in der Kunst und im Diskurs daher so verstanden sein, dass ein Annähern an das authentische Verstehen der "Kunst" (in Anführungszeichen als Ausdruck der stets schwachen Übersetzung für das Vorstellungskonvolut in Edo) einen wichtiger Schritt zur Einbettung in die Geschichte darstellt.

2.3 Sa-ey-ama: Kunst; interdisziplinär vielfältig ausgedeutet, vor allem mit Verwendung für die Elfenbein- und Messing-Objekte, auch: traditioneller Ritual- Schmuck u. Masken, Tänze, Erzählungen u. Lieder, etc; Ausgestaltung von Dauerhaftem, Tradierung von Werten und Normen, Präsentifikation von spirituellen, politischen u. a. Aussagen (sa-ey-ama); Schönheit (ose) erlangt ein Kunst-Objekt durch die esiesi (Perfektion [der Aussage in der Perfektion des Dargestellten / Sinngebung]).

2.4 Einträge ...

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Einträge : A - C

Adaigho: Umhang, Kleidungsstück; mit Cowrie verziert; Kriegstracht des Oba, auch von Würdenträgern verwendet.

Agbaka: One; Krokodilart: Nil-Krokodil, crocodylus niloticus; Symboltier, nicht mit Eghughu, weniger gefährliche Krokodilart, zu verwechseln.

Agban: Korb; in einer Gilde [europäisierter Term] hergestellt, als Transportbehälter verwendet.

Aghadaghada: Symbol in Form eines Kreuz.

Akekpen: von den Benin-Kriegern als Halsschmuck getragene Leopardenzähne; vom sakralen Herrscher verliehen.

Akon Eni: Akenni; Elfenbein; allg. Knochenmasse der Stosszähne des Elefanten; wegen des Kaolin verehrt; Kunst: durch die Gilde [europäisierter Term] der Elfenbeinschnitzer bearbeitete esanmwan (Elfenbein-Schnitzwerk); versch. Formen, z. B. Akohe.

Akpa: Rock oder Hemd; auf Reliefplatten bei zahlreichen Kriegern als Kleidungsstück zu finden.

Akpandan: Ogae, Edigun; Eisen.

Akpolu: Perlenkranz, Hüft-Schmuck für Frauen.

Ama: Zeichen, Kennzeichnung; Zeichen des Reichtums; Bronzeplatte: Kunstobjekte am Hofe des sakralen Herrschers von Benin (als Zeichen in Bronze wiedergegeben), Verwendung als kulturelles Archiv und Demonstration der Macht; gben (schnitzen, kennzeichnen, vortragen), sa (metallenes Material gießen).

Asa: Schild; von Trägern am Hof präsentiert.

Ava: Hammer der Schmiede, Form: ´L´; auch in Händen des Oba vorgeführt.

Awa: ekita, ovbiakota; Hund, vgl. Reliefplatten.

Calico: Bekleidung im allgemeinen.

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Einträge : E -I

Eghughu: Krokodilart, Symbol-Tier.

Ekedu: Waffe zur Wildjagd im Busch, Ausrüstung der Ohue.

Ekhen: Okhuaen; ~ Gilde.

Ekpokin: Ekpohian; Lederkasten zu Transportzwecken; in "~ Gilde" Esohina hergestellt; vgl. Isohian.

Emada: Holzschnitzer; in "~ Gilde" organisiert.

Emakhe: "~ Gilde" der Töpfer.

Emite: umuadiye, umuokhokho; Zwerg; umgangssprachlich für Kleinwüchsigkeit, hormonell-genetisch-bedingter "Defekt" der Anatomie; Achondroplasia/Hypochondroplasia sind in der Kunst dargestellt wie auch andere Merkmale von Störungen und Krankheiten (z.B. Nabelbruch); gesellschaftliche Bedeutung des Dargestellten am Hof, mystische Form: eseku.

Erere: Musik-Instrument, "Horn"; Darstellung: Relief-Platten, Freiplastik.

Eronmwo: oze; Bronze: Legierung aus Kupfer und Blei oder Zinn, davon meist 75-85 % Kupfer; oft als Kurzform für einen aus Metall hergestellten Kunstgegenstand verwendet: echte "Bronzen" aus Benin kommen jedoch nur zu etwa 15 % vor. Die Mehrheit der Objekte bestehen aus anderen Metalllegierungen, zu etwa 80 % Messing, die überwiegend im Galmei-Verfahren (Reduktion von Zink-Erz mit Kohle und Kupfer zu Zinkmetall) hergestellt wurden und für Benin meist bei bis 12 % Zinkanteil (bis zu etwa 38 % abweichend) aufzeigen. Metallurgische Untersuchungen (in Dependenz zu Stil-Theorie) gliedern 1. die Messing-Objekte so, dass eine Zinn-abhängige Skala von
Zink-vs-Zinn-zu-Zeit entworfen werden kann, nach der gilt: je höher der Anteil von Zink und gleichsam je geringer der relative Zinn-Anteil an der Legierung, desto geringer das relative Alter des Objektes und 2. die Bronze-Objekte so, dass eine Blei-abhängige Skala von Zink-vs-Blei-zu-Zeit entworfen werden kann, nach der gilt: je höher der Anteil von Zink und gleichsam je geringer der relative Blei-Anteil an der Legierung, desto geringer das relative Alter des Objektes. Nickel und Arsen sind dabei in der relativen Menge wie das Zink zu Zinn bzw. Blei der Legierungen festzustellen; meist hergestellt als Gelbguss: Technik zur Herstellung von Kunst- oder Gebrauchsgegenständen aus Metall (Bronze); Tradition in Benin; Herstellung im sog. Wachsaus-schmelzverfahren (Lost-Wax- / Cire-Perdue- / Cera perdutta-Technik).

Egogo: Eroro; Bronzeglocke; zumeist trapezförmige Glocken als Schmuck des sakralen Herrschers auf Reliefplatten wie auch als Freiplastik in der Kunst wieder zu finden; Teil der Insignien des Oba; einzelnen Überlieferungen zufolge auch im Kampf getragen; Kult: elaghalogho.

Esin: Pferd, Tiergattung; Nutzung (weitgehend) dem Oba und hohen Würdenträgern vorgehalten; trad.: Oba okpa ohin esin - nur der Oba reitet ein Pferd; nach trad. Überlieferung durch Oranmiyan aus Ile Ife kommend eingeführt; Reliefplatten, Freiplastiken.

Esohian: isekpoki; Ledermacher; in "~ Gilde" organisert; vgl. ekpokin.

Ev-Oha: cola heterophyla; Cola-Pflanze, als Genussmittel verwendete koffeinhaltige Nüsse des in Westafrika weit verbreiteten Baumes.

Ewi: Schlammspringer; aroe, Schlammfisch; Tiergattung; in der Kunst von Benin sehr vielgestaltig gezeigt; nach moderner zoologischer Zuweisung: durch Welse (Synodontis) und Zitteraale (Malaptereus) repräsentiert; von symbolischer Bedeutung: als Tier, das aus dem Wasser stammt und auch an Land sich fortbewegt.

"~ Gilde": Gruppe, die eine handwerkliche Tätigkeit ausübt; in Benin waren so z. B. die Elfenbein-Schnitzer und Bronze-Gießer organisiert; oft identisch verwendet mit den Begriffen ´Zunft´ oder ´Innung´; von Egharevba als ´societies´ vorgeführt, bei Melzian auch ´gangs´ genannt; zeichneten sich durch besondere, auf göttliche Inspiration zurückgeführte Fertigkeiten im Umgang mit dem jeweiligen Material aus und erlangten Wissen / Macht über das Rohmaterial (igwevi or-eti) in der Bearbeitung zu Ehren des Oba oder Vorfahren.

Ibako: spielerische Jagd; vgl. Reliefplatten.

Ibierugha: okpomwan; männlicher Begleiter, Adjutant; auf Platten und in Freiplastiken; erfüllt der Begleiter auch die Aufgabe des Sendboten (vgl. Reliefplatten): ukw-eke; weibliche Begleiter z. B. an der Seite der Königinmutter: ibiey-iye-oba: dargestellt; tradit. nach Prüfung der Loyalität in die Position eingeführt durch Ankleidung als Initiation; allgemein: Kind, Diener.

Ifeve: ivef-ekpede; Pfeil, von den Bogenschützen bei der Jagd verwendet; uhabo, Bogen

Igari: obobozi, ebobozi; essbare Frucht der Kassava-Pflanze.

Igbesava: Igbesanmwan, Igbenosanmwa, Igbonsanmwan; "~ Gilde" der Elfenbein-, (auch: Knochen- und Holz-) Schnitzer.

Iguegha: der Überlieferung nach der erste Bronzegießer, vorgebl. aus Ife.

Igun- igu emato: königliche "~ Gilde" der Schmiede grober Metalle in Benin; Ematon: unter anderem für die Herstellung von Eisenwaffen verantwortlich.

Igun-igu eromwo: osama; "~ Gilde" der königlichen Feinbronze-Gießer; leben in einem eigenen Stadtteil: Eronmwon; höchste Titel: Ine und Ihama.

Ikpasa: Musikinstrument: Schlagstöcke.

Ikpi: ikpin; ikpi ame, ahekpi, ataikpi; Schlange (auch Regenbogen); Teil des Kultes um Olokun; wohl eine Python, die in der Natur bis zu 10 Meter Körperlänge entwickeln kann; manchmal als Boa identifiziert; Bisse werden bis heute auch durch traditionelle Heiler behandelt. vgl. Arhuvoto, Aka, Enye, Olose, Ovivie u. a. Schlagen.

Ileme: Owinna-Eme, Ineme, Uneme, Iloeme, Igun; Eisen, Eisenschmied, Eisenschmelzer.

Iriaekpe: "~ Gilde" der königlichen Leopardenhüter; vgl. Dappers Illustration.

Iru: Eronmwo-Gefäße mit magischer Bedeutung; von den Emeru bei Zeremonien im Palast verwandt; mit dem großen Kriegerkönig und Meister geheimer Kräfte, Oba Ewuare, in Verbindung gebracht.

Isawewe: Erdnuss; in kunstvoll ausgestalteten Schalen den Ahnen geopfert.

Isohian: ohia ~ Leder; Lederarbeiten (z.B. lederne Fächer, Taschen, Gewänder).

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Einträge : O - Z

Okpa: okporhue; Hahn.

Okuku: Haartrachten der Frauen.

Omakhe: Töpfer ("~ Gilde"-Mitglieder).

Omuada: Omada; Schwertträger; auf Reliefplatten; ursprünglich nackt (Irhunmwinrhun, Nacktheit) dargestellte Adjuntanten des Oba, die ihres Dienstes entpflichtet werden, indem sie sich ankleiden dürfen (rhua u-oguovadia).

Onwina: Ekabita; Owinna; "~ Gilde" der Holzbearbeiter.

Ora: Uwen.

Okhue: Vogel, Papageien-Art; vgl. ebakhue.

Okpa: Hahn, von der weiblichen Form * zu unterscheiden;
symbolisches Tier, legendär schon aus der Zeit der Ogiso.

Okuku: Haartracht, Krone (Nyendael´s "Tuiten"?).

Oro: konisch zulaufende Kopfzierde, der Überlieferung nach aus Ife.

Oruu: Baumwolle.

Ose: Schönheit; m-ose, mosee (etwa: schön, kunstvoll, perfekt); Kunst.

Otoe: Erde; Iso.

Owinna-erhan: "~ Gilde" der ekabita (Zimmerer).

Owinnanido: odukpo; "~ Gilde" der Weber.

Oze: Zink.

Terrakotta: gebrannter, aber unglasierter Ton; in frühester Zeit das Grundmaterial der Kunstherstellung.

Udahae: Stirnband aus Ivi.

Uhuv-Elao (meist als Uhumwelao in der Literatur verzeichnet): Skulptur eines Kopfes; in früher Zeit bzw. in ländlichem Raum zur Präsentifikation des Kopfes aus Holz verwendet, der auf einem Ahnenschrein verehrt werden sollte; Kopfskulpturen des Oba aus herausragendem Material, zumeist Metall; verehrt wird dabei der Uhunmwu, Uhumwelao, Uhuvu (Kopf) als Sitz des Verstehens (iroro), des Urteilens (enwa), des Hörens, Sehens, Sprechens und des Lebenswillens (ekhoe); Wohlstand und die Gesundheit der Gemeinschaft wurden vom als Skulptur verehrten Kopf erhofft.

Urua: Ölpalme, Palmenart (bossasus flabellifera), aus deren Früchten Palmöl gewonnen wird; als Pflanze in der Kunst dargestellt.


© Thorsten Spahr [Kompilation, Kommentare ... ] //
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