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Benin - Künste und Traditionen der oralen Edo-Kultur ...
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Wie nun aber können diese Bilder erkenntnisleitend werden? Was macht sie "bedeutsam "? Mir waren sie Anlass, in der folgenden Untersuchung zwei Zugänge für die grundlegende Frage nach einer Klärung der Kunstwerke und Geschichtstraditionen von BENIN als Historische Quellen zu versuchen. Mir machten sie bewusst, wie wir überhaupt eigene Perspektiven ins Historische öffnen können und worin unsere Grenzen der Erkenntnis über die Vergangenheit liegen. Dass wir dem unbekannten Künstler zu seinem Werk nahezu " über die Schulter schauen " können und eben doch nicht seinen Blick einnehmen, andererseits in gewisser Weise " mehr sehen " als er selbst, hat seit mehr als 100 Jahren zu höchst verschiedenen Interpretationen beigetragen. Dass wir mit Worten über Geschichte/n sprechen, obschon uns der Überliefernde in gewisser Weise bloß " stumm " gegenübersitzt und wir dennoch aus seinen Beiträgen vielfältige Eindrücke aus Jahrhunderten gewinnen dürfen, ist ebenfalls sehr verschieden begriffen und gedeutet worden.

Angesichts der vielgestaltigen Bildwerke - kurz: Künste - will ich daher zunächst eine Analyse des Diskurses über deren Bedeutung versuchen. Der erste Teil der folgenden Untersuchung, im Juni 2002 als meine Staatsprüfung für das Lehramt an der Universität Hamburg (Gutachter: Prof. Dr. L. Harding und Prof. Dr. A. Schildt) eingereicht und für vorliegende Veröffentlichung neuerlich bearbeitet und aktualisiert, begreift so diese Künste als (a) Medium des Dialogs historischer Menschen zueinander, die ihr Bewusstsein zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft " präsentifizierten ", und als (b) Thema des paradigmatisch zu gliedernden Dialogs uns eher zeitgenössischer Menschen miteinander, die ihre Fragen an Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft daran verhandel(te)n. Mein Vorgehen soll zeigen, wie - d.h. mit welchen Fragen, unter welchen Bedingungen, mit welchen Konsequenzen, unter Beachtung welcher weiterer Quellen - und ob in hinreichender Weise, afrikanische Kunstwerke - am Beispiel BENIN´s - als historische Quellen interpretiert wurden.

Und angesichts des umfangreichen und bis heute außerordentlich wirkmächtigen Œuvre´s - verkürzt: Traditionen - des weitgeachteten EDO-Historiographen Jacob Uwadiae Egharevba bin ich zweitens um eine Analyse dessen Gesamtwerkes bemüht. Das Ziel des zweiten Teils der folgenden Untersuchung ist mir gedanklich bereits früher klar geworden, doch war dieser aus zeitlichen Gründen im Abschnitt 1.4.1 oben erwähnter Arbeit in redlicher Bescheidenheit nur anzudeuten. Somit gibt sich mir erst an dieser Stelle die Gelegenheit, einige Fragen zu Perspektiven und Grenzen der Interpretation zu formulieren und die innere Konsistenz der Beiträge Egharevba´s ausführlich zu untersuchen und entsprechend (a) als Medium der überkommenen Kenntnisse und Vorstellungen zahlloser namentlich längst vergessener Menschen wie (b) der jedem Geschichtswerk zugrundeliegenden Reflektion auf Gegenwart und Zu-kunft vorzustellen, um auch hier Perspektiven und Grenzen der Interpretation herauszuarbeiten. Dieser Ansatz soll zeigen, wie der Verfasser in seiner mehr als 60jährigen Schaffenszeit das komplexe " Erinnern an die Vergangenheit " organisierte und was es heißt, geschichtswissenschaftlich daran anzuschließen.

Da beide Teile der Untersuchung verschiedene Zugänge nehmen und auch zu unterschiedlicher Zeit entstanden sind, werden diese nachfolgend jeweils getrennt eingeleitet, begründet und argumentiert, aufgebaut und beschlossen. Es handelt sich jedoch m. E. um zentrale Aspekte eines gemeinsamen Themen-komplexes, sodass ein gemeinsamer Titel, eine durchgängige Paginierung, eine verknüpfte Bibliographie und Indexierung sinnvoll wurden. Im Besonderen ist die Anordnung nicht allein aus der Zeit des Entstehens der beiden Abschnitte erklärlich, sondern ergibt sich auch aus meiner in der folgenden Einleitung aufge-stellten These zum Verhältnis der Quellen überhaupt.

Relevante europäische Schriftzeugnisse als dritte Quellengruppe diskutiere ich ganz bewusst nur im Zu-sammenhang der Kunst-Quellen, um sie dort nach ihrem Erkenntniswert - für die Interpretation der Kunst - zu befragen und vorbereitend für den zweiten Teil der Untersuchung einzuführen. Verschiedene Schriften seit etwa 1500 sind m. E. dabei ebenso wertvolle wie qualitativ insgesamt " unterzuordnende " Quellen. Denn nur im Verhältnis zu den Künsten und Traditionen der EDO sind sie als europäische Fremd-Sichten ebenso herausragend und hochgeschätzt wie interpretativ zu relativieren.

Ich erlaube mir, dem Leser abschließend meine vollständig kommentierte Neu-Organisation ausgewählter Aufsätze der mir besonders bedeutsam erscheinenden Periodika und Hunderter Monographien von 1897 bis 2006 (
Benin-Bibliographie, ISBN 3-86611-209-2) und meine Neu-Bearbeitung van Nyendael´s Sendschreiben (Benin um 1700, ISBN 3-86611-208-4) anzuempfehlen. Beide Arbeiten stellen Überlegungen der gleichen gedanklichen Spirale meines Nachdenkens über die EDO-Kultur im früheren Königreich BENIN dar.
Neuerlich möchte ich Prof. Dr. Leonhard Harding danken, der mich an der Universität Hamburg mit der Geschichte BENIN´s vertraut gemacht und mir zudem erlaubt hat, seinen Aufsatz "Das Reich Benin" meiner eigenen Untersuchung als knappe " historische Hinführung " voranzustellen.

Ferner möchte ich auf diesem Wege den Herren Dr. Wolfgang Kaese, Dr. Osarhieme Benson Osadolor und Munir Lada´a (M.A.) für viele gute Gespräche und die erinnerungswürdige Zusammenarbeit im Seminar danken.

Für das erfreuliche Lob und den Zuspruch bei Veröffentlichung der oben erwähnten Bibliographie danke ich Frau Prof. Dr. Girshick Ben-Amos, Herrn Prof. Dr. Nevadomsky sowie Herrn Dr. Eisenhofer herzlich. Ich hoffe, auch diese Überlegungen mögen den Meinungsaustausch befördern, einige Fragen und Antworten aufzeigen, weiteren Interpreten leidlich meine Gedanken vermitteln.


Appendices (Arbeitsversionen) :

© SPAHR : TAFEL zu QUELLEN - Entstehungs-und-Wirkungsphasen © SPAHR : TAFEL zu QUELLEN - Interpretationsdimensionen

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