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FEEST, CHRISTIAN FENIMORE : Tücke des Objekts. In: Falter - Ausgabe Wien vom 31.05.2007 - (22) 2007 : 6.
' Kannibale, willst´ dänn niemals schweigen? ' (vgl. Theye zu Fremd- Beziehungen), mag der Verfasser gedacht haben, als er sich in einem die Wien´er Ausstellung "Benin. Könige und Rituale" begleitenden, aktuellen Kommentar zu (nigerianischen / Edo-) Forderungen um Ausgleich bzw. Rückgabe ausgestellter Objekte äußerte; derlei Ansprüche hatten "Vertreter des Königs von Benin" jüngst einem "mitfühlenden Publikum" vorgetragen, wie Feest spöttelt; doch man sei weder moralisch noch politisch - und wohl vor allem nicht finanziell - willens oder in der Lage, diese zu erfüllen; mit erschütternd naiven Parallelen (gleich dem nicht mehr zurückzugebenden "Apfel, den Eva ... vom Baum der Erkenntnis entwendete"), einer peinlich berührenden neuen ´Schlussstrich-Frage´ ("Monstrosität der Nazi-Verbrechen", die man doch gerade hinter sich - respektive den Deutschen - gelassen habe, denn der Verfasser hält denkresistent an einer "Opfer"-Rolle Österreichs fest) und der Verquickung diverser historischer und kultureller Fehl-Urteile - Feest a) suggeriert eine Legalität oder gar Legitimität der sog. ´Strafexpedition´, b) fabuliert über eine "Heiligkeit" nur für die "Nachkommen der Hersteller" und c) infantilisiert die Bedeutung der zentralen Beispiele der Selbstdeutung ob ihrer Aufbewahrung 1897 "nur noch als historische Dokumente" [meine Hervorhebung, TS] - ergibt sich ein Kommentar wie ein Treppenwitz, wäre der Verfasser nicht in derart exponierter Position [Direktor des Völkerkundemuseums in Wien]; doch ist dies kurze Stück weder komisch noch moralisch, wie der von Friedrich Theodor Vischer
´geraubte´ Titel vermuten ließe. Obschon es gute Gründe gibt, momentan keine Rückgaben durchzuführen, lässt Feest´s Beitrag einen die Vergangenheit berücksichtigenden Weitblick vermissen; die Kunst von Benin ist die Kunst von Benin.

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' O´ cannibal, will you never be silent ? ' (cf. Theye on othering-views) - probably was what the author thought, when he wrote a brief comment in Austria´s magazine "Falter" on a debate arising around Vienna´s contemporary exhibiton "Benin. Kings and Rituals"; according to the author some Nigerians´ / Edos´ demands on reconciliation and / or return of the exhibited art-works were presented at a conference recently and Feest scoffs, that ´partly the public felt sorry´; but neither morally nor politically (and especially not with money) such questions will be answered - now and never; Feest argues, that nobody can bring mankind back to paradise (´Eva´s debt can never be assigned´) and so what can we do today ...; the author also combines several aspects as if they were helpful in answering the questions, e.g. a) that the ´enormous Nazi-crime should be left back on elder Germans´ shoulders´ - the author still seems to think that Austria was a victim-nation only - and no further debates are helpful, b) that Edo ´at least in 1897 ... only kept the arts as historical documents´ [my emphasis; TS] with no real idea of their true meaning ..., c) that the ´expedition´ of 1897 really was a fair punishment of misbehaving primitives ...; unfortunately the comment was not written by a mentally confused alien and may be surveyed then, but the author is in prominent position [director of the Museum of Ethnology in Vienna]; but this comment has neither fun nor moral as the reader might think at first (the title ´Tücke des Objekts´ was ´stolen´ [or just quoted] from Friedrich Theodor Vischer, 1807-1887). Although there are good reasons not to repatriate the arts of Benin today, the author has no perspective on history and future times and forgets to stress: the arts of Benin are the arts of Benin.

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Kwame Opoku ; © : afrikanet.info, 20.05.2007. siehe dazu bereits / cf. also an earlier comment ...
Standpunkt zur Kontroverse um die Rückgabe der Edo-Kunst als Raub-Kulturgüter; kommentiert eine Argumentation von Prof. C. Feest [in Falter, Wien 22/2007]. Text von Kwame Opoku.
Quelle / © : afrikanet.info, 09.06.2007 / ²11.06.2007
© Thorsten Spahr // www.BeninKunst.de 2006- // Alle Rechte an den hier bibliographisch erfassten und subjektiv begründet kommentierten Texten liegen beim jeweiligen Verlag, Verfasser ... !!